Mit dem Wohnmobil nach Frankreich: alles was du wissen musst
    ReiseführerMit dem Wohnmobil nach Frankreich: alles was du wissen musst
    🇫🇷Frankreich

    Mit dem Wohnmobil nach Frankreich: alles was du wissen musst

    Von der Atlantikküste bis zu den Alpen – Der ultimative Camping-Guide

    1.Überblick

    Überblick

    Frankreich zählt zu den beliebtesten Camping- und Roadtrip-Destinationen der Welt – und das aus gutem Grund. Kaum ein anderes Land verbindet so viele unterschiedliche Landschaften mit einem so dichten, zuverlässigen und gut organisierten Netz an Stell- und Campingplätzen. Von den wilden Klippen der Bretagne über die Lavendelfelder der Provence, von den schneebedeckten Pässen der Alpen bis zu den Surferstränden am Atlantik und den mittelalterlichen Dörfern des Dordogne-Tals – Frankreich ist ein echtes Paradies für Wohnmobilreisende.

    Mit über 8.000 offiziellen Campingplätzen besitzt Frankreich die größte Campingkultur Europas. Zusätzlich gibt es mehr als 4.000 Aires de Camping-Car, also offizielle Wohnmobilstellplätze, die eine unkomplizierte, flexible und oft sehr günstige Übernachtung ermöglichen.

    Egal, ob du Küstenlandschaften, Weinregionen, Berge, historische Städte oder gutes Essen liebst – Frankreich bietet unendlich viele Möglichkeiten für abwechslungsreiche Routen, eine hervorragende Infrastruktur und einen angenehm entspannten Reisestil. Hier findest du Roadtrips, die langsam, genussvoll und landschaftlich traumhaft schön sind.

    2.Anreise

    2.1 Mit dem eigenen Wohnmobil

    Die meisten Reisenden erreichen Frankreich ganz klassisch über den Landweg:

    • aus Belgien oder Deutschland kommst du direkt nach Nordfrankreich (Lille, Metz, Straßburg)

    • aus Spanien reist du über das Baskenland oder Okzitanien ein

    • aus Italien gelangst du über die Alpen oder über die Provence nach Frankreich

    • auch Fähren aus Großbritannien und Irland bringen dich bequem ins Land

    Die französischen Straßen sind modern, gut ausgeschildert und angenehm zu fahren. Besonders die Autobahnen („Autoroutes“) sind in einem hervorragenden Zustand – allerdings sind viele Streckenabschnitte mautpflichtig.

    2.2 Fähren nach Frankreich (aus Großbritannien und Irland)

    Sämtliche Fährverbindungen nach Frankreich nehmen problemlos Wohnmobile an Bord. Die Routen sind zuverlässig, gut organisiert und bieten eine bequeme Möglichkeit, mit deinem Fahrzeug direkt in Frankreich anzukommen. Je nach Abfahrtshafen gibt es Verbindungen nach Dieppe, Calais, Cherbourg, Roscoff, Caen, Le Havre oder Saint-Malo.

    3.Einreise & Formalitäten

    3.1 Dokumente

    EU-/EWR-Bürger:
    Für die Einreise nach Frankreich benötigst du lediglich Personalausweis oder Reisepass.

    Haustiere:
    Wenn du mit deinem Tier reist, brauchst du:

    • den EU-Heimtierausweis (oder ein gültiges Tiergesundheitszeugnis für Nicht-EU-Länder)

    • eine gültige Tollwutimpfung

    • einen Mikrochip zur eindeutigen Identifikation

    Damit kannst du problemlos nach Frankreich einreisen.

    3.2 Warnaufkleber für den toten Winkel bei Wohnmobilen über 3,5 t

    Wenn dein Wohnmobil mehr als 3,5 Tonnen wiegt, musst du die offiziellen „angle morte“ (toter Winkel)-Warnaufkleber gut sichtbar anbringen – jeweils an beiden Seiten und am Heck.
    Sie sind insbesondere beim Fahren in städtischen Gebieten vorgeschrieben.

    Du kannst die Aufkleber kaufen:

    • online

    • an vielen französischen Tankstellen in Grenznähe

    • in großen Autoteilegeschäften wie Feu Vert oder Norauto

    Wohnmobile unter 3,5 t brauchen diese Aufkleber nicht.

    4.Autofahren

    Autofahren

    Autofahren in Frankreich ist – zumindest außerhalb der großen Städte – entspannt und angenehm. Besonders in ländlichen Regionen erwarten dich landschaftlich wunderschöne Strecken: kurvige Küstenstraßen, ruhige Wege durch Weinberge und Lavendelfelder, Bergpässe in den Alpen oder Pyrenäen und abgelegene Landstraßen, die durch dichte Wälder führen.

    Die französischen Straßen sind in drei Hauptkategorien unterteilt.

    Die Autobahnen (Autoroutes) sind in ausgezeichnetem Zustand und ideal für schnelle Distanzen, allerdings sind viele Abschnitte mautpflichtig.

    Die Nationalstraßen (N-Straßen) sind kostenlos, gut gepflegt und perfekt, um entspannt voranzukommen. Etwas romantischer, aber schmaler und langsamer, sind die Départementstraßen (D-Straßen) – ideal für Roadtrips ohne Eile, mit vielen Stopps in kleinen Dörfern.

    Für Wohnmobile gilt: Auf Autobahnen wirst du meist einer höheren Tarifklasse zugeordnet (Kategorie 2), weshalb die Maut etwas teurer sein kann. Zahlen kannst du bequem mit Kreditkarte, Bargeld oder über ein Telepéage-Gerät, das automatische Schrankenöffnung ermöglicht und lange Wartezeiten an Mautstellen erspart.

    5.Campen

    Campen

    Frankreich ist eines der camperfreundlichsten Länder der Welt – Millionen Reisende kommen jedes Jahr mit dem Wohnmobil hierher. Das Land kombiniert eine tiefe Campingkultur mit einer schlicht unschlagbaren Infrastruktur. Ganz egal, ob du lieber an der wilden Atlantikküste, am Mittelmeer, in den Weinregionen, auf Bauernhöfen oder mitten in den Alpen stehst – Frankreich macht es dir unglaublich leicht.

    5.1 Über 8.000 Campingplätze – das größte Netzwerk Europas

    Mit mehr als 8.000 offiziellen Campingplätzen bietet Frankreich eine Vielfalt, die kein anderes europäisches Land erreicht.

    Du findest große Küstenanlagen mit Poollandschaften, Restaurants und Entertainment-Programmen ebenso wie kleine, charmante Campingplätze, die von Gemeinden oder Familien geführt werden. Viele Plätze sind top gepflegt, mit sauberen Sanitäranlagen, Strom, Wasser, Waschmaschinen, kleinen Läden oder einer Bäckerei am Morgen.

    In den Ferienregionen – vor allem an der Atlantikküste, an der Côte d’Azur und in Südfrankreich – ähneln manche Campingplätze fast kleinen Feriendörfern, während im Landesinneren naturnahe, ruhige Plätze auf dich warten.

    Die Preise schwanken je nach Region und Saison stark. In der Nebensaison (April–Juni und September–Oktober) zahlst du oft zwischen 15 und 30 Euro pro Nacht, während in der Hochsaison Preise zwischen 30 und 60 Euro üblich sind. Premiumplätze direkt am Meer können im Sommer auch über 90 Euro kosten.
    Für Reisen im Juli und August solltest du unbedingt früh reservieren – Frankreich liebt Camping, und die beliebtesten Plätze sind oft Monate im Voraus ausgebucht.

    5.2 Aires de Camping-Car – das Herz des französischen Wohnmobilreisens

    Was Frankreich wirklich einzigartig macht, sind die Aires de Camping-Car – speziell eingerichtete Wohnmobilstellplätze.

    Ein „Aire“ ist ein offizieller, völlig legaler Übernachtungsplatz, der oft von Gemeinden, Häfen oder Tourismusverbänden betrieben wird. Sie sind überall im Land zu finden: in winzigen Dörfern, an Flussufern, am Meer, neben Schlössern, an Yachthäfen, sogar in Bergregionen mit traumhaften Panoramen.

    Aires bieten meist Stellplätze, Frischwasser, Entsorgungsstationen und häufig auch Strom. Manche verfügen über Toiletten oder einen einfachen Servicebereich. Die Kosten sind oft minimal – viele Aires sind komplett kostenlos, andere kosten nur wenige Euro. Selbst Premium-Aires mit Strom liegen selten über 18 Euro.

    Das Besondere: Aires vermitteln das Gefühl von Wildcampen – aber ganz legal. Sie liegen oft in der Natur, sind ruhig und bieten eine enorme Spontaneität. Genau deshalb sind Aires einer der Hauptgründe, warum Frankreich unter Wohnmobilreisenden als absolutes Paradies gilt.

    5.3 Private Mikro-Campingplätze – Weinberge, Bauernhöfe, Landgüter

    Neben klassischen Campingplätzen und Aires gibt es in Frankreich eine riesige Auswahl an kleinen, privaten Mikro-Camps. Dazu zählen Weinberge, Bauernhöfe, Landgüter und kleine Anwesen, die nur eine Handvoll Stellplätze anbieten.

    Hier stehst du oft mitten in den Reben, neben Apfelbäumen oder zwischen Lavendelfeldern. Viele Gastgeber verkaufen hausgemachte Produkte wie Wein, Käse, Honig oder Obst – ein wunderbarer Einblick in das ländliche Frankreich.

    Diese Plätze sind ideal, wenn du Ruhe, Natur und echte Begegnungen suchst. Sie sind besonders beliebt bei Reisenden, die abseits großer Campingplätze stehen möchten, aber dennoch legal und entspannt unterwegs sein wollen.

    💡

    Beste Reisezeit

    April–Juni: perfekte Temperaturen, blühende Landschaft und September–November: warmes Meer, weniger Touristen

    Freistehen in Frankreich
    Freistehen in Frankreich

    6.Services

    Services

    Frankreich hat die beste Wohnmobil-Infrastruktur Europas

    Wenn du mit dem Wohnmobil unterwegs bist, wirst du schnell merken, wie unglaublich gut Frankreich ausgestattet ist.

    Wasser & Abfall

    Nahezu jeder offizielle Stellplatz in Frankreich verfügt über eine V+E-Station (chemische Toilette, Grauwasser, Frischwasser).
    Zusätzliche Entsorgung findest du außerdem an vielen:

    • Yachthäfen

    • Tankstellen

    • großen Supermärkten wie Intermarché

    • natürlich auf Campingplätzen

    Die Anlagen sind meist sauber, robust und sehr leicht zu bedienen.

    Gasversorgung

    Frankreich nutzt ein eigenes Gasflaschensystem, daher kannst du deutsche oder britische Flaschen in der Regel nicht tauschen.
    Was aber fast überall möglich ist: LPG tanken. Viele Tankstellen bieten Gas-Autofüllungen an – perfekt, wenn dein Wohnmobil einen Autogastank hat. Für längere Aufenthalte lohnt es sich eine französische Gasflasche zu kaufen.

    Lebensmittel & Einkaufen

    Frankreich ist ein Paradies für Genießer. Das Land hat einige der besten Supermärkte Europas:

    • Carrefour

    • Intermarché

    • Super U

    • Leclerc

    • Lidl

    Dazu kommen unzählige Wochenmärkte mit frischem Obst, Gemüse, Käse, Fisch und regionalen Spezialitäten – oft deutlich besser und günstiger als in Deutschland.

    Was du unbedingt probieren solltest

    • Crêpes & Buchweizen-Galettes

    • Französische Käsesorten (es gibt buchstäblich hunderte regionale Varianten)

    • Frische Meeresfrüchte an der Küste

    • Baguette, Croissants & Pâtisserie

    • Wein – hervorragende Qualität zu fairen Preisen

    7.Routen

    Frankreich bietet spektakuläre Routen für jeden Geschmack. Hier findest du einige empfohlene CampPilot-Routen, die dich zu den schönsten Orten des Landes führen.

    Provence by van

    Through Bretagne

    8.Highlights

    Naturwunder:
    • Mont Blanc – höchster Berg der Alpen (4.809m)
    • Gorges du Verdon – spektakuläre Schlucht
    • Camargue – Feuchtgebiete, Flamingos, Wildpferde
    • Calanques bei Marseille – steile Felsküste
    • Vanoise Nationalpark – alpine Landschaften
    • Cevennen – Gebirgslandschaft
    • Dune du Pilat – höchste Sanddüne Europas
    Städte & Kultur:
    • Paris – Hauptstadt, Eiffelturm, Museen
    • Lyon – kulinarische Hauptstadt
    • Marseille – Hafenstadt, Kultur
    • Nizza – Côte d'Azur, Promenade
    • Bordeaux – Wein, Architektur
    • Straßburg – Elsass, Kathedrale
    • Mont-Saint-Michel – berühmte Abtei
    • Loire-Schlösser – Chambord, Chenonceau
    Aktivitäten:
    • Strandurlaub an den Küsten
    • Wandern in den Alpen und anderen Gebirgen
    • Wassersport (Surfen, Tauchen, Segeln)
    • Skifahren in den Alpen
    • Radfahren (Tour de France Routen)
    • Klettern
    • Kultur- und Städtetouren
    • Weinproben in Bordeaux, Burgund, Champagne
    Kulinarische Highlights:
    • Croissants und Baguette – französisches Frühstück
    • Käse – über 1.000 Sorten
    • Wein – Bordeaux, Burgund, Champagne
    • Crêpes – süße und herzhafte Pfannkuchen
    • Coq au Vin – traditionelles Gericht
    • Ratatouille – Gemüsegericht
    • Macarons – süße Köstlichkeiten

    9.Kosten

    Frankreich ist im Vergleich zu Spanien oder Kroatien etwas teurer, aber nicht so teuer wie die Schweiz oder Skandinavien.

    Typische Preise:

    • Campingplätze: 15–90 € (stark abhängig von Saison & Region)

    • Aires de Camping-Car: 0–18 €

    • Diesel/Benzin: im mittleren bis höheren EU-Bereich

    • Mautgebühren: teuer, besonders auf langen Autobahnabschnitten

    • Restaurants: mittel bis hoch, aber oft sehr gute Qualität

    Lebensmittel in Supermärkten sind qualitativ herausragend und meist preiswert.

    10.Sicherheit

    Frankreich ist im Allgemeinen ein sehr angenehmes Wohnmobilreiseland, aber du solltest trotzdem aufmerksam bleiben – vor allem bei der Wahl deiner Übernachtungsplätze.

    Die meisten ländlichen Regionen sind absolut ruhig und sicher. Problematisch können vor allem sein:

    • bestimmte Stadtrandgebiete

    • Parkplätze in Großstädten

    • Autobahnraststätten

    Von Übernachtungen auf Autobahnraststätten wird ausdrücklich abgeraten.
    Immer wieder berichten Reisende von Einbrüchen auf viel frequentierten Routen, besonders im Süden und rund um Paris. Es gibt auch zahlreiche Berichte über angeblichen Einsatz von „Schlafgas“. Auch wenn dieser Punkt nie offiziell bestätigt wurde, tauchen die Erzählungen so oft auf, dass man sie zumindest ernst nehmen sollte.

    Wenn du nachts anhalten musst, dann lieber so:

    • Fahr ein paar Kilometer in ein Dorf hinein und stelle dich in den Ortskern

    • Nutze eine offizielle Aire de Camping-Car

    • Wähle einen Campingplatz oder Marina-Parkplatz

    • Meide abgelegene oder dunkle Industriegebiete

    Tipps für mehr Sicherheit

    Viele Camper nutzen kleine, sichtbare Abschreckungsmittel:

    • Aufkleber „Videoüberwachung“ oder „Alarmanlage“

    • Eine echte Alarmanlage oder Türsensoren

    • Wertsachen konsequent außer Sichtweite

    • Türen und Fenster nachts verriegelt halten

    11.Fazit

    Mit guter Planung und einer klugen Auswahl deiner Stellplätze bleibt Frankreich eines der schönsten und komfortabelsten Wohnmobilländer Europas. Die Mischung aus hervorragender Infrastruktur, atemberaubender Landschaft und kulinarischen Highlights macht jede Reise zu einem Genuss.