1.Überblick

Spanien zählt zu den vielfältigsten Reiseländern Europas und ist besonders für Camper eines der attraktivsten Ziele überhaupt. Das Land bietet eine außergewöhnliche Mischung aus mediterraner Lebensfreude, spektakulären Küsten, großen Kulturmetropolen, schneebedeckten Pyrenäen, Vulkanlandschaften auf den Kanaren und riesigen, dünn besiedelten Naturgebieten im Landesinneren. Kaum ein Land zeigt auf so engem Raum eine derart beeindruckende Vielfalt.
Für Wohnmobile und Campervans ist Spanien ideal: Die Straßen sind hervorragend ausgebaut, das Klima ist fast das ganze Jahr über mild, und die touristische Infrastruktur – von Campingplätzen über Wohnmobil-Servicepunkte bis hin zu Supermärkten und Waschanlagen – ist eine der besten Europas. Besonders im Winter zieht der Süden Spaniens und die Küste Andalusiens zahlreiche Langzeit-Camper an, die dem kalten Norden Europas entfliehen.
Spanien ist jedoch kein Land, das man nur „befährt“. Es ist ein Land, das man erlebt: über seine Küche, seine Fiestas, seine Musik, seine Landschaften und die Gelassenheit der Menschen. Egal ob du an der wilden Atlantikküste im Baskenland surfst, durch die Olivenhaine Andalusiens fährst, die Weiten der Extremadura entdeckst oder auf Vulkanrouten auf Teneriffa wanderst – Spanien ist immer einnehmend, lebendig und überraschend.
2.Anreise
2.1 Mit dem eigenen Fahrzeug
Die meisten Reisenden kommen über Frankreich nach Spanien. Die Routen führen über die französischen Autobahnen oder mautfreien Nationalstraßen Richtung Baskenland (Irun), Katalonien (La Jonquera) oder Navarra. In Frankreich fallen je nach Strecke teils hohe Mautgebühren an; ab der spanischen Grenze entspannen sich die Kosten deutlich, da viele ehemals kostenpflichtige Autobahnen seit 2021 komplett mautfrei sind.
Die Anfahrt mit Wohnmobil ist unkompliziert. Beide Länder verfügen über perfekt ausgebaute Transitstrecken, große Rastplätze und zahlreiche Tankstellen. Spanien selbst ist sehr camperfreundlich – auf vielen Autovías gibt es große Park- und Serviceflächen, oft mit Restaurants, Hotels, Duschen und sogar separaten Stellflächen für Wohnmobile
2.2 Fähren nach Spanien
Spanien ist hervorragend über den Seeweg erreichbar, vor allem, wenn man zu den Balearen oder Kanaren möchte. Die wichtigsten Fährhäfen auf dem Festland befinden sich in Barcelona, Valencia, Denia, Cádiz, Huelva und Algeciras. Von hier erreichst du Ziele wie Mallorca, Menorca, Ibiza, Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa oder La Palma.
Die Fährgesellschaften Balearia, Trasmediterránea, FRS und Naviera Armas verkehren regelmäßig. Auf den meisten Routen lohnt sich eine Vorabbuchung, besonders in Ferienzeiten. Die Schiffe sind modern, verfügen über Restaurants, Salons, Kabinen und oft spezielle Bereiche für Reisende mit Haustieren
2.3 Flug & Mietfahrzeug
Wer ohne eigenes Fahrzeug anreist, hat eine riesige Auswahl. Alle großen Flughäfen – Barcelona, Madrid, Málaga, Sevilla, Valencia, Bilbao, Palma, Las Palmas, Santa Cruz – sind direkt mit Mietwagenfirmen und zunehmend auch mit Campervan- und Wohnmobilvermietungen verbunden. Spanien gilt neben Island und Portugal als eines der besten Länder für „Fly & Camp“-Reisen. Ein Mietcamper ist ideal für Rundreisen auf den Inseln oder zur Erkundung der Küstenregionen. Die Preise schwanken je nach Saison stark, sind aber insgesamt fair, und das Angebot ist riesig.
3.Einreise & Formalitäten
3.1 Dokumente
Als EU-Bürger reist du problemlos mit Personalausweis oder Reisepass ein. Es gibt keine Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums, sodass die Einreise meist völlig unbemerkt passiert. Auch Haustiere mit EU-Heimtierausweis, Mikrochip und gültiger Tollwutimpfung können ohne Zusatzformalitäten einreisen.
3.2 Fahrzeugvorschriften
Ein wichtiger Punkt für alle Wohnmobil- und Camperreisenden: In Spanien gilt eine Warntafelnpflicht, sobald eine Ladung am Heck übersteht oder sichtbar ist. Besonders Fahrradträger – selbst wenn sie leer sind – müssen mit einer speziellen Warntafel gekennzeichnet werden.
Die Vorschrift ist streng:
In Spanien muss die Tafel rot-weiß schraffiert sein und aus drei roten und drei weißen diagonalen Streifen bestehen. Sie muss fest montiert sein und darf nicht verdeckt oder verschmutzt sein. Wer mit einer falschen Tafel unterwegs ist – z. B. einer italienischen Metalltafel oder einer deutschen Version – riskiert ein Bußgeld.
Diese Regel gilt für:
montierte Fahrräder
leere Fahrradträger
jede Art von Überstand hinter dem Fahrzeug

4.Autofahren

Spanien hat eines der modernsten Straßennetze Europas. Die Autovías (A-Straßen) sind meist kostenlos und hervorragend in Schuss. Autopistas (AP-Straßen) waren früher fast durchgehend mautpflichtig, doch große Teile dieser Strecken wurden inzwischen geöffnet und sind inzwischen mautfrei.
Das Fahrtempo ist eher ruhig. Die Spanier fahren diszipliniert, LKWs halten sich fast immer an Regeln, und die Polizei überwacht Geschwindigkeiten streng. Im Sommer kann es besonders im Süden extrem heiß werden – Fahrzeuge sollten gut gewartet sein, und lange Steigungen können Motor und Bremsen fordern.
Besonders landschaftlich schöne Strecken sind die Küstenstraßen an der Costa Brava, die Gebirgspässe der Pyrenäen, die Wüstenstraßen rund um Almería und die Vulkanlandrouten der Kanaren. Die Inseln Teneriffa, La Palma und Gran Canaria haben spektakuläre Bergstraßen mit teils engen Serpentinen – ideal für Abenteuerlustige, aber nichts für ungeübte Fahrer in großen Wohnmobilen.
5.Campen
5.1 Campingplätze
Spanien besitzt eines der dichtesten und qualitativ hochwertigsten Campingnetzwerke Europas. Entlang der Küsten reihen sich Campingplätze wie Perlen an einer Schnur – viele davon mit direktem Strandzugang, Palmenhainen oder Panoramalagen über dem Meer. Im Landesinneren findet man großzügige Campinganlagen inmitten von Weinhügeln, Orangenplantagen oder Nationalparks.
Viele Plätze sind modern ausgestattet und bieten:
gepflegte Sanitärgebäude
Pools (fast überall im Süden)
Restaurants und Bars
kleine Supermärkte
Waschmaschinen und Trockner
hochwertige Parzellen mit Schattenplätzen
Die Stimmung ist fast immer familiär und entspannt, und in der Nebensaison sind die Plätze angenehm ruhig. Die Preise liegen je nach Region und Jahreszeit meist zwischen 15 und 35 Euro pro Nacht für zwei Personen mit Fahrzeug – an den Küsten im Sommer höher, im Winter in Andalusien oft günstiger.
5.2 Wohnmobilstellplätze (Áreas de autocaravanas)
Neben klassischen Campingplätzen spielt in Spanien auch das Netzwerk an Wohnmobilstellplätzen eine große Rolle. Diese Áreas de autocaravanas findest du in fast allen Städten und vielen größeren Dörfern – oft in unmittelbarer Nähe zu Zentren, Stränden, Häfen oder Sehenswürdigkeiten.
Sie sind speziell für Wohnmobile und Campervans eingerichtet und bieten je nach Standort unterschiedliche Ausstattungen. Die meisten Stellplätze verfügen mindestens über:
eine Ver- und Entsorgungsstation
Stromanschlüsse
Frischwasser
Viele kommunale Anlagen sind komplett kostenlos oder verlangen nur eine geringe Gebühr von wenigen Euro pro Nacht. In touristisch beliebten Regionen gibt es auch private Stellplätze, die komfortabler ausgestattet sind und Extras wie Sicherheitstore, Beleuchtung oder Wi-Fi bieten.
Der große Vorteil: Stellplätze liegen oft sehr günstig – in Laufweite zu Bars, Restaurants, Altstädten, Stränden oder Wanderwegen. Du musst also nicht zwingend auf einem großen Campingplatz übernachten, wenn du nur eine Stadt besuchen oder eine Nacht bleiben möchtest. Besonders in der Nebensaison sind sie entspannt und perfekt für flexible Reisen.
Stellplätze sind ideal, wenn du:
nur kurz in einer Stadt bleiben möchtest
kein komplettes Campingplatz-Setup brauchst
zentral und trotzdem sicher stehen möchtest
unterwegs unkompliziert Wasser auffüllen oder entsorgen willst
Viele Reisende kombinieren Campingplätze und Stellplätze, um flexibel, kosteneffizient und komfortabel durchs Land zu reisen. Dank der guten Infrastruktur und der hohen Anzahl an Áreas findest du fast überall eine passende Übernachtungsmöglichkeit – oft sogar mitten in den Städten.
5.3 Freistehen
Offiziell ist Wildcamping in Spanien verboten – dennoch wird es, je nach Region und lokaler Situation, immer wieder toleriert. In Bergregionen und abgelegenen Landstrichen stellt eine einzelne Nacht meist kein Problem dar, solange du dich respektvoll verhältst und keine Spuren hinterlässt.
An den Küsten sieht es anders aus: Viele Gemeinden gehen streng gegen Wildcamping vor, besonders in der Hochsaison. Die Guardia Civil kontrolliert regelmäßig und bittet freundlich, aber bestimmt, weiterzufahren.

6.Service
Spanien ist für Camper ein Traumland, weil die Infrastruktur perfekt ist. Wohnmobil-Servicepunkte findest du in fast jeder Stadt, oft kostenlos. Viele Orte betreiben offizielle Stellplätze mit Entsorgungsstationen, Stromanschlüssen und Wasserhähnen. Tankstellen verfügen fast überall über kleine Shops, und Repsol-Stationen haben häufig eigene Waschsalons oder Gasflaschentausch.
Supermärkte sind flächendeckend vorhanden. Besonders beliebt ist Mercadona, gefolgt von Carrefour, Consum, Lidl und Dia. Die Qualität von Obst, Gemüse und Fisch ist hervorragend, und die Preise sind deutlich niedriger als in Nordeuropa.
Essen – was du unbedingt probieren solltest
Spanien ist ein kulinarisches Paradies, und Essen hat dort einen hohen sozialen Stellenwert. Eine Reise durch das Land ist gleichzeitig eine Reise durch seine gastronomische Vielfalt.
Tapas gehören zu den größten Genüssen: kleine Teller, die man teilt und die sich perfekt zum Kennenlernen der regionalen Küche eignen. Von Patatas Bravas über geschmorte Fleischbällchen bis hin zu frittierten Calamares oder Pimientos de Padrón – jede Region hat ihre Spezialitäten.
Valencia ist die Heimat der Paella, die traditionell mit Huhn, Kaninchen und Gemüse zubereitet wird. An der Atlantikküste dominieren Fisch und Meeresfrüchte, während im Norden deftige Küche mit Hülsenfrüchten und Schmorgerichten beliebt ist.
Unvergesslich sind iberischer Schinken, Manchego-Käse, frische Churros mit heißer Schokolade und kräftiger spanischer Kaffee.
Spanien lebt kulinarisch von regionaler Vielfalt – jeder Landesteil hat eigene Traditionen, Geschmäcker und Spezialitäten.

7.Routen
Costa Brava Roadtrip
8.Highlights
• Pyrenäen – spektakuläre Berglandschaften, Wandern, Skifahren
• Picos de Europa – Nationalpark mit atemberaubenden Gipfeln
• Doñana Nationalpark – Feuchtgebiete, Flamingos, Wildtiere
• Teide (Teneriffa) – höchster Berg Spaniens (3.718m)
• Camino de Santiago – berühmter Pilgerweg
• Costa Brava – malerische Küste mit versteckten Buchten
• Tabernas-Wüste – einzige Wüste Europas
• Barcelona – Gaudí-Architektur, Strand, Kultur
• Madrid – Hauptstadt, Museen, Nachtleben
• Sevilla – Flamenco, Kathedrale, maurische Architektur
• Granada – Alhambra, maurisches Erbe
• Valencia – moderne Architektur, Paella
• Bilbao – Guggenheim-Museum
• Toledo – historische Altstadt
• Córdoba – Mezquita, maurische Architektur
• Strandurlaub an den Küsten
• Wandern in den Pyrenäen und anderen Gebirgen
• Wassersport (Surfen, Tauchen, Segeln)
• Skifahren in den Pyrenäen und Sierra Nevada
• Radfahren (Vía Verde Routen)
• Klettern
• Kultur- und Städtetouren
• Weinproben in Rioja und anderen Regionen
• Paella – Nationalgericht
• Tapas – kleine Gerichte zum Teilen
• Jamón Ibérico – spanischer Schinken
• Sangría – erfrischendes Getränk
• Gazpacho – kalte Suppe
• Churros – süßes Gebäck
• Frische Meeresfrüchte
9.Preise
Essen in Restaurants ist erschwinglich, vor allem Mittagsmenüs („Menú del día“) für 10–15 Euro. Campingplätze liegen meist im Bereich von 20–35 Euro, wobei die Küstenregionen im Hochsommer deutlich teurer sind.
Supermärkte sind preiswert, besonders frisches Obst, Gemüse, Brot, Fisch und Wein.
10.Sicherheit
Wichtig für Reisende ist ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Man sollte nicht auf Autobahn-Raststätten übernachten.
Diese Anlagen sind tagsüber sicher und gut besucht, aber nachts gelten sie – besonders an stark befahrenen Routen – als weniger empfehlenswert. Es kommt immer wieder zu Diebstählen aus Fahrzeugen, aufgebrochenen Wohnmobilen oder Tricks, bei denen Reisende im Schlaf überrascht werden. Die Polizei rät daher ausdrücklich, zum Übernachten lieber offizielle Wohnmobilstellplätze, Campingplätze oder kommunale Parkbereiche zu nutzen. Diese sind zahlreich vorhanden, meist günstig oder sogar kostenlos und bieten deutlich mehr Sicherheit.
Spanien ist insgesamt ein sehr entspanntes und sicheres Reiseland – solange man typische Vorsichtsmaßnahmen beachtet und Raststätten nachts meidet, reist man hier äußerst angenehm und sorgenfrei.
11.Fazit
Mit dem Wohnmobil durch Spanien
Eine Wohnmobilreise durch Spanien gehört zu den schönsten und abwechslungsreichsten Campingabenteuern in Europa. Das Land verbindet beeindruckende Natur, lebendige Städte, mediterrane Lebensfreude und eine für Camper perfekt ausgebaute Infrastruktur. Egal, ob du an goldenen Stränden entspannst, durch karge Wüstenlandschaften fährst, in den Pyrenäen wanderst oder die Vulkaninseln der Kanaren erkundest – Spanien überrascht hinter jeder Kurve mit neuen Eindrücken.
Dank der zahlreichen Campingplätze, Stellplätze und Servicepunkte reist du sehr komfortabel und flexibel. Die milden Temperaturen, das gute Essen und die freundliche, entspannte Art der Menschen machen das Unterwegssein leicht und angenehm. Zwar gibt es regionale Besonderheiten zu beachten – etwa Regeln zum Freistehen oder lokale Umweltzonen –, doch mit etwas Vorbereitung ist das Reisen unkompliziert und sicher.
Am Ende bleibt das Gefühl, ein Land erlebt zu haben, das für Camper wie geschaffen ist: vielfältig, warmherzig, lecker und voller beeindruckender Orte. Viele, die einmal mit dem Wohnmobil durch Spanien gefahren sind, kommen immer wieder zurück – weil es sich anfühlt wie Freiheit mit Sonnengarantie.
