1.Überblick
Island ist eines der faszinierendsten Reiseländer der Welt – ein Ort, an dem sich Feuer, Eis, Wasser, Wind und bizarre Naturformationen zu einer Landschaft verbinden, die es nirgendwo sonst gibt. Vulkane, Geysire, endlose Lavafelder, schwarze Strände, Gletscher, tosende Wasserfälle und heiße Quellen machen das Land zu einem Traumziel für Naturbegeisterte, Fotografen und Abenteurer.
Für Camper und Roadtrip-Fans ist Island ein spektakuläres Erlebnis – aber gleichzeitig eines der anspruchsvollsten Länder Europas. Das Wetter wechselt im Minutentakt, die Straßen sind zum Teil unbefestigt, und die Infrastruktur ist zwar gut, aber dünner als in Mitteleuropa. Das Freistehen ist streng reguliert, und die Preise sind insgesamt hoch.
Dennoch: Die Freiheit, mit einem Campervan über die Ringstraße zu reisen, im Sommer unter der Mitternachtssonne oder im Winter unter tanzenden Polarlichtern unterwegs zu sein, ist einzigartig. Island ist kein „Einsteigerland“, aber für alle, die Natur lieben und echte Wildnis suchen, unvergleichlich.
2.Anreise
2.1 Fähren nach Island
Die einzige Autofähre nach Island wird von betrieben. Smyril Line:
Route: Hirtshals (Dänemark) → Tórshavn (Färöer-Inseln) → Seyðisfjörður (Island)
Dauer: 48–72 Stunden
Buchung: unbedingt mehrere Monate im Voraus erforderlich (vor allem im Sommer)
Preis: ca. 800–2.500 € pro Strecke – abhängig von Fahrzeuggröße, Saison und Kabinenkategorie
Die Überfahrt ist komfortabel und besonders für längere Island-Aufenthalte beliebt, allerdings auch sehr kostspielig – vor allem mit großen Wohnmobilen. Wenn du genügend Zeit mitbringst, lohnt es sich unbedingt, ein paar zusätzliche Tage auf den Färöer-Inseln einzuplanen. Sie liegen ohnehin auf der Route und sind landschaftlich spektakulär.
2.3 Fliegen & Wohnmobil mieten
Die meisten Reisenden gelangen per Flug nach Island. Der internationale Flughafen Keflavík bei Reykjavík ist gut angebunden und wird von zahlreichen europäischen Städten direkt angeflogen. Direkt am Flughafen befinden sich viele Wohnmobil- und Campervan-Vermieter, die eine breite Auswahl anbieten – von einfachen Vans bis hin zu voll ausgestatteten 4x4-Fahrzeugen.
Eine „Fly & Camp“-Reise ist für Island ideal: Die Fahrzeuge sind perfekt auf isländische Straßen und Wetterbedingungen abgestimmt, und du sparst dir die sehr teure Fährüberfahrt.
2.1Mit eigenem Fahrzeug
• Dänemark (Hirtshals) - Island (Seyðisfjörður): ca. 3 Tage, sehr teuer
• Färöer - Island: verschiedene Routen
• Fähren sind sehr teuer (500-1.500€ je nach Fahrzeug)
• Flugzeug nach Island
• Wohnmobil vor Ort mieten
• Oft günstiger als Fähre
• Island ist nicht EU-Mitglied, aber Schengen-Raum
• Grüne Versicherungskarte mitführen
• Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten
• Wetter kann sehr wechselhaft sein
3.Einreise & Formalitäten
3.1 Dokumente
Island gehört zum Schengen-Raum. Als EU-Bürger kannst du problemlos mit deinem Personalausweis oder Reisepass einreisen.
Die Mitnahme von Haustieren ist jedoch äußerst schwierig. Island hat einige der strengsten Einreisebestimmungen weltweit, um Krankheiten wie Tollwut oder Parasiten fernzuhalten. Für Hunde und Katzen sind spezielle Genehmigungen, tierärztliche Untersuchungen und lange Vorlaufzeiten notwendig. Eine spontane Reise mit Haustieren ist daher praktisch nicht möglich.
3.2 Einreise mit Haustieren nach Island – Was du wirklich brauchst
1. Offizielle Einfuhrgenehmigung (Permit)
Bevor du überhaupt nach Island reisen darfst, musst du eine schriftliche Genehmigung des isländischen Lebensmittel- und Veterinäramts (MAST) beantragen.
Antrag spätestens 30 Tage vor Einreise
Gebühren je nach Tier 150–300 €
Ohne Genehmigung wird dein Tier nicht ins Land gelassen
2. Mikrochip-Kennzeichnung
Dein Tier muss eindeutig identifizierbar sein:
ISO-konformer Mikrochip
Tattoos werden nur akzeptiert, wenn sie vor dem 3. Juli 2011 gesetzt wurden
Der Chip muss lesbar sein – im Zweifel solltest du selbst einen Microchip-Leser mitnehmen.
3. Tollwutimpfung
Island ist tollwutfrei, deshalb gelten sehr strenge Vorgaben:
gültige Tollwutimpfung
frühestens ab einem Alter von 12 Wochen
muss mindestens 21 Tage vor Einreise verabreicht worden sein
der Impfschutz muss am Tag der Einreise gültig sein (Auffrischungen beachten!)
4. Tollwut-Antikörpertest (Titer-Test)
Anders als bei der EU-Rückreise reicht eine Impfung NICHT aus!
Island verlangt:
Blutentnahme min. 30 Tage nach der Tollwutimpfung
Analyse in einem EU-anerkannten Labor
Antikörpertiter von mindestens 0,5 IU/ml
Der Test darf nicht älter als 12 Monate sein
Ergebnis muss schriftlich mitgeführt werden
Ohne gültigen Titer-Test wird das Tier abgewiesen.
5. Behandlung gegen Bandwürmer & Parasiten
Da Island frei von Fuchsbandwurm und anderen Parasiten bleiben möchte, ist eine spezielle Behandlung vorgeschrieben.
Behandlung gegen Echinococcus innerhalb von 24–120 Stunden vor Einreise
Muss vom Tierarzt im Dokument bestätigt werden
Zusätzlich wird oft eine Behandlung gegen Zecken und Flöhe empfohlen/gefodert
6. Klinische Untersuchung durch einen Tierarzt
Kurz vor der Reise (meist innerhalb von 10 Tagen) muss ein Tierarzt bestätigen, dass:
das Tier symptomfrei ist
keine Infektionskrankheiten vorliegen
keine Parasiten festgestellt wurden
7. Pflicht-Quarantäne in Island
Das ist der Punkt, der viele Reisen mit Tieren unmöglich macht:
Alle Hunde und Katzen müssen nach Einreise in eine staatlich zugelassene Quarantänestation.
Dauer: mindestens 14 Tage
Sehr teuer: ca. 1.200–1.800 € pro Tier
Plätze sind begrenzt → frühzeitig reservieren
Während der Quarantäne gelten strikte Besuchsregeln
Es gibt keine Ausnahme – deine Tiere dürfen Island unter keinen Umständen privat erreichen oder ohne Quarantäne einreisen.
3.3 Fahrzeugregeln
Mietfahrzeuge in Island sind hervorragend an die Bedingungen des Landes angepasst – sie sind gut isoliert, wintertauglich und robust.
Reist du mit deinem eigenen Fahrzeug an, gelten die üblichen EU-Vorschriften:
Warnweste, Warndreieck, gültige Fahrzeugpapiere und Versicherung. Umweltzonen oder besondere Warntafeln gibt es nicht.
Wesentlich wichtiger sind die speziellen Straßentypen in Island:
F-Straßen (Hochlandpisten) dürfen ausschließlich mit echtem 4x4-Antrieb befahren werden.
Die meisten F-Straßen sind nur zwischen Juni und September geöffnet.
Flussdurchquerungen können sehr tief, stark strömend und gefährlich sein.
Ein entscheidender Punkt: Schäden durch Hochlandfahrten oder Flussdurchquerungen sind bei vielen Versicherungen ausgeschlossen. Wer ins Hochland möchte, sollte deshalb unbedingt die Versicherungsbedingungen genau prüfen – sowohl bei Mietfahrzeugen als auch beim eigenen Camper.
4.Autofahren
Autofahren in Island ist ein Abenteuer. Die Ringstraße (Route 1) ist asphaltiert und gut befahrbar, viele Nebenstraßen hingegen sind unbefestigt. Schlaglöcher, lose Steine und starker Wind können das Fahren erschweren.
4.1 F-Straßen in Island – Was Sie wissen müssen
Islands F-Straßen führen tief ins Hochland, durch Lavafelder, Berge und Vulkanwüsten. Du bist atemberaubend – aber auch technisch anspruchsvoll und riskant.
Wo reguläre Camper nicht zugelassen sind
Normale Wohnmobile und Fahrzeuge mit Zweiradantrieb sind niemals Auf F-Straßen erlaubt. Routen wie F35 (Kjölur) und F550 (Kaldidalur) Allradantrieb erforderlich, unbefestigte Wege sind grundsätzlich verboten.
Allradantrieb reicht nicht immer aus
Nicht jeder Geländewagen ist für jede Strecke geeignet.
Manche F-Straßen sind auch mit kleineren 4x4-Wohnmobilen gut befahrbar.
Andere benötigen einen hochgeländegängigen Superjeep.
Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie eine geführte Tour durch die Highlands buchen und dein Wohnmobil sicher auf einem Campingplatz abstellen.
Flussüberquerungen
Flussdurchquerungen stellen die größte Gefahr auf F-Straßen dar:
Wenn ein Fluss zu tief aussieht, umdrehen.
Schäden, die durch eine Flussüberquerung entstehen, sind niemals durch eine Versicherung abgedeckt.
Fahren Sie langsam (ca. 5 km/h) und vermeiden Sie Gangwechsel.
Strenge Offroad-Regel
Offroad-Fahren ist absolut illegal in Island. Die Vegetation ist extrem empfindlich und braucht Jahrzehnte, um sich zu erholen.
Verlasse niemals den markierten Weg
Fahre niemals um Pfützen oder Schneefelder herum
Im Zweifelsfall rausgehen und die richtige Linie suchen, anstatt zu improvisieren
Dies schützt die Umwelt und verhindert hohe Geldstrafen.
Das Wetter ist unberechenbar: Sonne, Regen, Nebel und Gewitter können sich innerhalb einer Stunde abwechseln.
Im Winter sind viele Straßen gesperrt oder nur noch für erfahrene Fahrer befahrbar.
Geschwindigkeitsübertretungen werden streng geahndet, insbesondere im Großraum Reykjavík.
Wichtig: Schafe streifen frei umher – sogar auf den Straßen.
5.Campen
5.1 Campingplätze
Island verfügt über zahlreiche Campingplätze, die zwar meist einfach ausgestattet sind, dafür jedoch in spektakulärer Natur liegen – oft in unmittelbarer Nähe zu Wasserfällen, Stränden, Lavafeldern oder heißen Quellen.
Saison: überwiegend von Juni bis September
Preis: etwa 15–25 € pro Person
Abrechnung: meist pro Person, nicht pro Fahrzeug
Winter: nur wenige Plätze bleiben ganzjährig geöffnet
Campingplätze sind damit die wichtigste und verlässlichste Übernachtungsmöglichkeit für Reisende mit Camper oder Wohnmobil.
5.2 Wildcampen – streng reguliert
Wildcampen mit Wohnmobilen oder Campervans ist in Island grundsätzlich verboten.
Übernachten an Aussichtspunkten, Straßenrändern oder frei in der Natur ist ausdrücklich untersagt. Es gibt regelmäßige Kontrollen, und die Bußgelder können sehr hoch ausfallen.
Wann wird es gelegentlich toleriert?
Auch im Winter bleibt das Verbot bestehen.
Allerdings wird in der Nebensaison (Oktober bis April) auf einigen großen Parkplätzen – etwa bei Wanderwegen oder Thermalgebieten – manchmal eine einzelne Übernachtung geduldet, sofern:
keine Verbotsschilder vorhanden sind
kein Campingverhalten gezeigt wird (keine Stühle, keine Markise, kein Kochen im Freien)
Realistische Erwartung
Sommer: Wildcampen praktisch nicht möglich
Winter: gelegentlich toleriert, aber nur auf ausgewiesenen Parkflächen und auf eigene Verantwortung
Island ist kein Land für klassisches Freistehen.
Du solltest bei der Reiseplanung unbedingt mit der Nutzung von Campingplätzen rechnen.
6.Services
Islands Infrastruktur ist einfach, aber funktional.
Isländisches Leitungswasser zählt zu den reinsten der Welt und ist überall kostenlos.
Entsorgungsstationen für Grauwasser und Toiletten gibt es hauptsächlich hier:
auf Campingplätzen
in größeren Städten
an dafür vorgesehenen Entsorgungsstationen entlang der Ringstraße
Supermärkte (Bonus, Krónan, Netto) sind gut sortiert, aber teuer.
Tankstellen sind in abgelegenen Regionen oft selten – tanke daher immer frühzeitig, insbesondere in den Westfjorden und im Osten.
7.Routen
8.Highlights
• Geysir – berühmter Geysir
• Gullfoss – spektakulärer Wasserfall
• Thingvellir – Nationalpark, UNESCO-Welterbe
• Jökulsárlón – Gletscherlagune
• Vatnajökull – größter Gletscher Europas
• Blue Lagoon – geothermisches Bad
• Mývatn – See, Geothermie
• Dettifoss – mächtigster Wasserfall Europas
• Nordlichter – Aurora Borealis (im Winter)
• Reykjavík – Hauptstadt, Kultur, Nachtleben
• Akureyri – größte Stadt im Norden
• Höfn – Hafenstadt
• Vik – Küstenstadt
• Ringstraße umrunden
• Golden Circle Tour
• Gletscherwanderungen
• Geysire beobachten
• Heiße Quellen besuchen
• Nordlichter beobachten (im Winter)
• Walbeobachtung
• Wandern
• Skyr – Joghurt-ähnliches Produkt
• Hangikjöt – geräuchertes Lamm
• Plokkfiskur – Fischgericht
• Brennivín – Schnaps
• Lokaler Fisch
• Lammfleisch
9.Kosten
Island zählt zu den teuersten Reisezielen Europas.
Camping: 15–25 € pro Person
Supermärkte: teurer als in Deutschland
Diesel/Benzin: deutlich teurer
Restaurants: ca. 20–50 € pro Gericht
Island ist ein Kreditkartenland:
Du bezahlst nahezu alles mit Karte – selbst Kleinstbeträge wie einen Kaffee oder die Gebühr auf dem Campingplatz. Bargeld wird kaum genutzt, und viele Reisende verbringen ihre gesamte Reise, ohne eine einzige isländische Krone abzuheben.
Die Hauptreisezeit dauert von Juni bis August. In diesen Monaten ist das Wetter am stabilsten, die Temperaturen erreichen ihren Höchstwert (rund 13 °C), und die Tage sind extrem lang. Wenn du das Hochland auf eigene Faust erkunden möchtest, ist dies die beste Reisezeit – viele F-Straßen sind nur im Sommer geöffnet.
Der Sommer ist jedoch auch die geschäftigste und teuerste Zeit:
Campingplätze sind schnell voll
Beliebte Sehenswürdigkeiten können überlaufen sein
Mietpreise für Camper und Autos steigen deutlich
10.Sicherheit
Island ist sehr sicher. Die Kriminalität ist minimal.
Die wahren Gefahren sind Naturbezogen:
plötzliche Wetterumschwünge
extremer Wind
vereiste Straßen
Flussüberquerungen im Hochland
Immer:
Wetter prüfen (vedur.is)
Straßenverhältnisse prüfen (road.is)
Nehme zusätzliches Essen und Wasser mit
Fahre niemals bei Stürmen (Böen können Fahrzeuge umwerfen)
Das Gesundheitssystem ist modern, aber teuer → eine Reiseversicherung ist unerlässlich.
11.Fazit
Fazit: Island mit dem Camper – ein Abenteuer, das du nie vergisst
Eine Reise durch Island mit dem Camper ist nichts für Anfänger – aber genau das macht sie so besonders. Das Land fordert dich heraus, mit rauem Wetter, Schotterpisten, starken Winden und strengen Campingregeln. Gleichzeitig belohnt es dich mit einer Natur, wie du sie nirgendwo sonst auf der Welt findest: tosende Wasserfälle, endlose Lavafelder, schwarze Strände, brodelnde Thermalgebiete, Gletscher, Vulkane und – mit etwas Glück – tanzende Polarlichter.
Wer gut vorbereitet ist, flexibel bleibt und die isländische Natur respektiert, erlebt hier eines der intensivsten Roadtrip-Abenteuer Europas. Campingplätze liegen oft in atemberaubender Landschaft, und auch wenn Wildcampen nur stark eingeschränkt möglich ist, findest du immer einen Platz, der dir die Nähe zur Natur ermöglicht.
Island ist nicht billig, ja – aber jeder Kilometer, jeder Wasserfall, jede heiße Quelle und jeder Blick über die unendliche Weite macht die Reise unvergesslich. Ob du im Sommer unter der Mitternachtssonne unterwegs bist oder im Winter die magische, stille Seite des Landes erlebst: Island berührt, inspiriert und bleibt lange im Herzen.