1.Überblick
Für viele Overlander markiert Alaska den eigentlichen Beginn der Panamericana. Rau, abgelegen und kompromisslos zeigt sich hier eine der letzten echten Wildnisse der Erde. Wer Alaska mit dem eigenen Fahrzeug bereist, braucht Zeit, Respekt vor der Natur und die Bereitschaft, sich auf extreme Bedingungen einzulassen. Komfort spielt hier eine untergeordnete Rolle – dafür wartet ein unvergleichliches Freiheitsgefühl.
Dieser Artikel wurde von Rebecca von RumsAdventure geschrieben. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie auf einer 14-monatigen Overland-Reise den Panamericana Highway von Kanada bis nach Argentinien gefahren. Unterwegs nutzte Rebecca CampPilot, um Übernachtungsplätze zu finden, die nächsten Etappen zu planen und spannende Sehenswürdigkeiten entlang der Route zu entdecken.
2.Einreise nach Alaska
Es gibt nur wenige Grenzübergänge, über die man nach Alaska einreisen kann. Der nördlichste Grenzübergang ist sogar nur im Sommer geöffnet und hat – anders als die anderen – begrenzte Öffnungszeiten. Ein Blick ins Internet vorab ist daher unbedingt notwendig.
Die Einreise erfolgt als normale Einreise in die USA. Reisepass, ESTA oder Visum sind erforderlich. Für das Fahrzeug erhält man keinen Temporary Import. Bei der ersten Einreise in die USA werden Fingerabdrücke genommen und ein Foto gemacht.
3.Route & Klima

In Alaska muss man immer mit dem Wetter rechnen. Denn wir befinden uns extrem weit im Norden, selbst im Hochsommer im Juli und August wird es hier kaum wärmer als 15 Grad.
Bei insgesamt ca. 75 Sonnentagen im Jahr (an der Küste sogar noch weniger) ist Alaska also kein Reiseziel für Sonnenanbeter und Schön-Wetter-Fans. Aber genau das macht die raue Natur hier so besonders.
Ab Mitte September und bis Mitte Juni liegt hier in vielen Teilen schon Schnee und es können Temperaturen von -40 Grad erreicht werden. Ob eine Reise im Winter in den nördlichsten Bundesstaat der USA also eine Option ist, muss man sich gut überlegen.
Alaska ist nicht nur der nördlichste, sondern auch der größte Bundesstaat der USA. Gleichzeitig aber auch der am dünnsten Besiedelte und bevölkerungsärmste Staat. Hier findet man also Wildnis im Überfluss!
Aber Achtung: die Straßendichte liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich, der Großteil, “the bush”, ist nur mit dem Boot oder einem Flugzeug erreichbar.
Trotzdem – oder gerade deshalb – ist Alaska für Naturliebhaber zu 100 % ein Traumziel. Diese Weite und Unberührtheit findet man kaum irgendwo sonst..

4.Menschen & erste Begegnungen
Die wenigen Menschen, die hier leben, sind ein ganz besonderer Schlag, aber alle unheimlich liebenswert.
So haben wir unsere erste Erfahrung in Alaska mit Einheimischen in einem winzigen Dorf namens Chicken gemacht. Hier gibt es im Sommer 17 Einwohner, im Winter sind es nur noch 2.
Aber immerhin gibt es eine Tankstelle, einen Souvenirladen, eine Bar und ein Restaurant. Das alles zu finden, ist nicht wirklich schwer, denn es ist ein und dasselbe Gebäude. Und der Barkeeper verkauft dir genauso Souvenirs wie er dein Auto betankt. Hier braucht man nicht viel, um glücklich zu sein.


Hier im Chicken Creek Saloon trifft sich alles, was über die Grenze kommt. Denn in vielen Reiseführer wird diese kleine Bar erwähnt. Es kommen sogar extra Reisegruppen hierher. Warum? Das haben wir uns auch gefragt, aber ein Blick an die Decke der Bar liefert erste Rückschlüsse.
Überall hängen Stofffetzen, die verdächtig nach Damenunterwäsche aussehen. Kurze Zeit später erfahren wir, was es damit auf sich hat, als eine Reisegruppe mittelalter Paare aus den USA ankommt. Die Damen tragen alle Schlüpfer über ihren Hosen, der Barkeeper packt Schere, Schwarzpulver und ein Rohr aus und los kanns gehen. Die Unterhosen werden abgeschnitten und mit dem Schwarzpulver in das Rohr gestopft. Als alle Kleidungsstücke verstaut sind, wird das ganze auf dem Parkplatz in die Luft gejagt und es regnet buntes Schlüppi Konfetti.
Willkommen in Alaska!

5.Wildlife-Erlebnisse
Einmal im hohen Norden angekommen, zeigt er sich schnell von seiner schönsten Seite. Denn die Natur überzeugt auch durch ihre Bewohner. So haben wir an einem Stellplatz am See in der von Tok eine ganz besondere Erfahrung.
Morgens besucht uns ein Elch am Stellplatz und frisst danach gemütlich im See.
Und er wird bei weitem nicht das letzte Wildtier in freier Wildbahn bleiben.

Fairbanks & Denali
Wer von Norden kommt, sollte unbedingt einen Stopp in Fairbanks, der zweitgrößten Stadt Alaskas, einlegen. Kaum größer als eine deutsche Kleinstadt, findet man hier alles, was man für einen längeren Campingtrip benötigt.
Die Distanzen in Alaska sind enorm, daher sollte man immer ausreichend Verpflegung für mehrere Tage einplanen.
In der Nähe von Fairbanks liegt der Denali, mit über 6.000 Metern der höchste Berg der USA. Er ragt völlig isoliert in den Himmel und ist von einem beeindruckenden Nationalpark umgeben. Aufgrund seiner Höhe ist der Gipfel oft in Wolken gehüllt, mit etwas Glück zeigt sich jedoch die schneebedeckte Spitze.
Durch einen Erdrutsch ist nur noch ein Teil des Parks zugänglich, weshalb der Denali immer aus der Ferne betrachtet wird. Dank des kostenlosen Shuttle-Systems ist ein Besuch dennoch sehr lohnend.
Wer den Denali aus nächster Nähe sehen möchte, reist nach Talkeetna. Von hier aus starten Rundflüge über den Berg – teuer, aber spektakulär. Auch Besteigungen beginnen hier, sind jedoch nur für sehr erfahrene Bergsteiger mit lokalen Guides möglich. Der Ort ist entsprechend touristisch und bekannt für seine Foodtrucks, besonders während der Lachssaison.

Kenai-Halbinsel & Turnagain Arm
Weiter Richtung Süden liegt die Kenai Halbinsel. Allerdings führt der Weg dorthin nicht nur vorbei an Anchorage, der größten Stadt Alaskas, sondern auch vorbei am berühmten Turn Around Arm. Er ist nicht nur für seine extremen Tidenhübe, sondern auch für Belugas, Treibsand, Borwasserwellen und sehr viel schlechtes Wetter bekannt.
Die Kenai-Halbinsel selbst ist extrem vielfältig: Fjorde, Seen, Flüsse und Wälder prägen die Landschaft. Besonders Angler kommen hier voll auf ihre Kosten.
Ein Highlight für Wanderer ist der Portage Glacier bei Whittier. Der Gletscher reicht bis in einen See, in dem selbst im Sommer Eisberge treiben. Die Wanderung ist nicht besonders anspruchsvoll und führt durch beeindruckende Natur. Alternativ kann man auch eine Bootstour unternehmen.
Um nach Whittier zu gelangen, fährt man durch einen Eisenbahntunnel, der nur einmal pro Stunde für Autos geöffnet wird – dann geht es direkt über die Gleise in das kleine Fischerdorf.


Vulkane, Küste & Homer
Auf der anderen Seite der Halbinsel fährt man entlang des Cook Inlets. Und hier beginnt der pazifische Ring of Fire. Riesige Vulkane erstrecken sich über hunderte Kilometer entlang des schmalen Meeresarm, während man gegenüber tolle Stellplätze am Kieselstrand findet. Über einem kreisen nicht nur Möwen und Weißkopfseeadler, im Meer schwimmen auch süße Otter.

Und auch das Ende der Welt erreicht man hier.
Wenn man in Homer, am südlichen Ende der Kenai Halbinsel in See stechen würde und dann gerade Richtung Süden segeln würde, wäre das erste Festland nach 16.000km erreicht: die Antarktis. Hier ist also wortwörtlich das Lands End.
In Homer gibt es außerdem den Homer Spit, eine Landzunge, die sich schmal durch die raue Beringsee zieht. Die Beringsee ist eventuell auch dem ein oder anderen aufmerksamen TV-Konsumenten ein Begriff. Denn genau hier in Homer starten die Fangzüge der Krabbenfischer, der gefährlichste Job der Welt. Wir hatten das seltene Vergnügen, die Time Bandit am Dock liegen zu sehen.
Wem das alles nichts sagt, der kann die leckeren, aber teuren King Crabs in einem der zahlreichen Restaurants auf den Holzstegen probieren oder auch leckeres Heilbutt Fish and Chips für das schmalere Budget testen.

Fjorde, Gletscher & Wale
Da es keine Wege entlang des Meeres gibt, muss man sich auf den langen Rückweg durch das Inland der Halbinsel machen. Wasser findet man hier allerdings auch im Überfluss. Lachse wandern den Russian River in Scharen rauf, am riesigen Kenai Lake findet man die tollsten Stellplätze.

Das Wetter fängt langsam auch an, mit zu spielen, es wird also Zeit für einen Ausflug in die Kenai Fjords. Viele Touren beginnen in Seward, direkt an den Kenai Fjords.
Und auch für uns geht es mit einem Boot in die Resurrection Bay.
Die Kapitänin erzählt uns, dass heute erst der zweite Tag des Jahres ist, an dem die Sonne so schön scheint. Und es ist bereits Mitte August. Man muss einfach für das Wetter in Alaska geboren sein, sagt sie.
Auf der Tour sehen wir nicht nur die beeindruckenden Fjords und die Gletscher, die bis ins Meer ragen, sondern auch Seeotter, Papageientaucher und das absolute Highlight: einen Buckelwal!



Ein absolutes Highlight der Reise und diese Bootstour war definitiv jeden Cent wert.
Aber auch die schönste Halbinsel muss man irgendwann einmal verlassen und das nächste Ziel ist das schöne Matanuska Susitna Valley in der Alaska Range.
Hier gibt es tolle Wanderwege wie den Hatchers Pass und jedes Jahr im August findet in Palmer die Alaska State Fair statt, ein großer Jahrmarkt, mit Holzfäller-Show, Foodtrucks und Wettbewerben für Gemüse und Nutztiere. Ein einzigartiges Spektakel, das besonders für Kinder eine tolle Abwechslung nach viel Natur und Ruhe ist.
Teile weiter im Süden Alaskas sind dann oft nur per Boot, Flugzeug oder via Kanada zu erreichen.
So auch Hyder. Und auch hier findet man ein absolutes Highlight zur richtigen Jahreszeit. Denn hier ist ein Fluss, in dem viele Lachse laichen. Und wo Lachse sind, findet man in Alaska auch meist die majestätischen Grizzlys.
Wer Wildtiere sehen will, ist in Alaska genau richtig!


6.Camping & Stellplätze
In fast drei Wochen in Alaska haben wir keinen einzigen Dollar für Übernachtungen ausgegeben.
Wildcamping ist problemlos möglich. Wer es etwas komfortabler mag, findet viele offizielle Angelplätze mit Parkflächen, Toiletten und teilweise Grillstellen – alles kostenlos. Einige unserer besten Stellplätze der gesamten Reise waren hier, meist völlig allein.
Angelplätze erlauben Aufenthalte von bis zu sieben Nächten. Wildcamping ist nicht reguliert und wird hier „Boondocking“ genannt.
Die Versorgung in größeren Orten ist gut, die Entfernungen jedoch groß. Campingplätze gibt es, aber auch ohne kommt man hervorragend zurecht. Die gesamte Route durch Alaska lässt sich bequem in CampPilot planen und nachverfolgen, während viele der besten Wildcamping- und Boondocking-Spots über StayFree zu finden sind.

7.Versorgung, Netz & Sicherheit
Die Preise sind im Vergleich zu anderen US-Bundesstaaten recht moderat. Besonders Diesel und Benzin sind hier sehr günstig, da Alaska sehr reich an Rohstoffen ist. Man muss aber aufpassen, manche Tankstellen verkaufen allerdings nur Heizöl anstelle von regulären Diesel.
Außerdem wird Treibstoff in den USA immer in Gallonen verkauft und auch der Preis bezieht sich hierauf.
Lebensmittel, besonders importierte, sind recht teuer, es gibt allerdings keine Mehrwertsteuer, daher gleicht sich das wieder aus. Die Versorgung mit Ersatzteilen variiert je nach Fahrzeugmarke, in Anchorage und Fairbanks findet man meist alles.
Die Netzabdeckung ist oft sehr schlecht, AT & T (https://www.att.com/prepaid/plans/) bietet das beste Netz, allerdings zu hohen Preisen.
Gefahren gibt es kaum. In den Bergen und abgelegenen Regionen muss man besonders in den Wintermonaten mit Wetterumschwüngen und blockierten Straßen rechnen.
Angriffe durch Wildtiere sind zwar sehr selten, an beliebten Angelstellen haben die Angler dennoch öfter eine Waffe dabei, um sich vor eventuellen Grizzlies zu schützen, da sie in direkte Nahrungskonkurrenz mit den Bären treten.
Vulkanausbrüche und Erdbeben sind ebenfalls sehr selten.
Kriminalität gibt es nur in größeren Orten und die Menschen sind sehr hilfsbereit und freundlich.
8.Fazit
Alaska ist kein einfaches Reiseziel – und genau das macht es so besonders. Die Weite, Einsamkeit und Wildnis verlangen Respekt, Geduld und Vorbereitung. Für Overlander ist Alaska nicht nur der Start der Panamericana, sondern eines der eindrucksvollsten Reiseerlebnisse überhaupt.
Wer echte Freiheit, unberührte Natur und unvergessliche Momente sucht, wird sie hier finden.
